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RITTERSAAL

Auf den Schlössern und Herrensitzen des Mittelalters und der Renaissance war der Rittersaal, oder der große Saal, der vornehme, repräsentative Raum. Auf den Königsschlössern bildete er den Rahmen für das offizielle Leben, den Empfang fremder Fürsten und Botschafter, Belehnungen und Rechtsprechungen durch den König. Nach Erledigung der offiziellen Pflichten wurde der Saal in einen Fest- und Tanzsaal verwandelt.

Ein Rittersaal auf Koldinghus lässt sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen. So umfasste das untere der beiden normalen Stockwerke des 1500 errichteten Westflügels wahrscheinlich den großen Saal, wo sich der König mit seinen Beratern aus dem Königreich und den Herzogtümern versammelte. Doch spätestens mit dem Umbau des Schlosses durch Christian IV. um 1600 wurde der Rittersaal ins obere Stockwerk verlegt, auf den mittelalterlichen Geschützboden, der gleichzeitig erhöht wurde. Auf Koldinghus schuf Christian IV. – mit Schloss Kronborg seines Vaters als Vorbild – den mit 57 m zweitlängsten Rittersaal Skandinaviens, der sich über die Schlosskirche und das gesamte obere Stockwerk des Westflügels erstreckte.

In diesem Saal belehnte Christian IV. 1616 den Herzog von Gottorf mit dem Herzogtum Schleswig. Bei dieser Gelegenheit gründete er auch einen neuen Ritterorden, „Den væbnede Arm“ (Der bewaffnete Arm), der einigen Adligen verliehen wurde, die sich im Kalmarkrieg gegen Schweden ausgezeichnet hatten. Später wurde der Orden offenbar nicht mehr verliehen. Und in diesem Saal wurde König Frederik IV. während eines Maskenballs 1711 auf das junge Adelsfräulein Anna Sophie Reventlow aufmerksam, das er im Jahr darauf aus seinem Elternhaus Clausholm entführen ließ und zu seiner Gemahlin zur linken Hand machte. 1721 heirateten die beiden erneut, diesmal jedoch „zur rechten Hand“, d. h., Anna Sophie wurde dänische Königin.

Als Frederik IV. Koldinghus um 1720 umbauen und modernisieren ließ, verschwand der Rittersaal – man benötigte keinen großen Saal mehr auf Koldinghus oder auf irgendeinem anderen königlichen Schloss außerhalb von Kopenhagen. Sämtliche offiziellen Staatshandlungen waren mit Einführung des Absolutismus 1660 in die Hauptstadt verlegt worden. Der Rittersaal wurde in mehrere Räume unterteilt. Im Westflügel entstanden einige kleine Zimmer für die Dienstboten von Schloss und Hof, und im heutigen Rittersaal wurden zwei Abstellräume für den Schlossverwalter und die Wirtschafterin eingerichtet. Als das Schloss 1808 niederbrannte, stürzte der Heroenturm, der auf einer Holzkonstruktion quer über dem Rittersaal ruhte, teilweise ein und zerstörte die Reste des Saals sowie die darunterliegende Schlosskirche.

Der Westflügel wurde während des Ersten Weltkriegs restauriert, und bei dieser Gelegenheit wurde auch die Trennwand wiedereingezogen, die Frederik IV. als vorübergehenden Nordgiebel des Westflügels eingebaut hatte. Sie trennt heute den Rittersaal und den Kriegsgedenksaal. In den 1930er Jahren wurde der Heroenturm wiederaufgebaut. Kirchensaal und Rittersaal bekamen bei dieser Gelegenheit Betondecken. Heute dient der Rittersaal als repräsentativer Raum, der Staat, Region und Kommune für offizielle Veranstaltungen zur Verfügung steht.

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